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(1) Wieso reduziert ein CO2-Preis die CO2-Emissionen?

Kurze Antwort:

Wenn klimaschädliche Güter teurer werden, werden sie weniger nachgefragt: sie werden sparsamer verwendet und es wird sowohl von Verbrauchern wie auch von den Unternehmen nach Alternativen gesucht. Eine Verteuerung klimaschädlicher Rohstoffe und Produktionsprozesse führt dazu, dass Alternativen wirtschaftlich werden: Unternehmen werden neue, emissionsarme Produkte entwickeln, klimafreundliche Produkte werden für die Bürgerinnen und Bürger günstiger. Klimaschutz wird Teil eines erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Geschäftsmodells. Für Konsumenten ist es einfacher, klimafreundlich zu handeln, weil klimaschonende Alternativen gegenüber klimaschädlichen Gütern relativ gesehen billiger sind. Mit einem CO2-Preis wird Klimaschutz meist dort umgesetzt, wo er am kostengünstigsten ist. Diesen Wandel über einen Preis zu organisieren, ist für eine Gesellschaft oft deutlich günstiger als mit Maßnahmen des Ordnungsrechts, wie einem Kohleausstieg oder Verboten von besonders klimaschädlichen Produkten (aber siehe auch Weitere Maßnahmen). Die CO2-Bepreisung (in Form einer CO2-Steuer oder des Emissionshandels, siehe Erfahrungen weltweit und Gestaltungsoptionen) wird von einer breiten Mehrheit der Klimaökonomen empfohlen und hat sich bewährt: Unter anderem Großbritannien, Kalifornien und Schweden konnten derzeit nach Einführung eines CO2-Preises beträchtliche Erfolge im Klimaschutz erzielen (siehe Erfahrungen weltweit).

Ausführliche Antwort:

Wenn klimaschädliche Güter teurer werden, werden sie weniger nachgefragt: Bei niedrigen Marktpreisen ist die Nachfrage hoch und umgekehrt sinkt die Nachfrage bei steigenden Preisen – wenn ansonsten die Rahmenbedingungen unverändert sind. Daher reduzieren CO2-Preise Emissionen. Das gilt unabhängig davon, ob Brennstoffe, bei deren Nutzung CO2 freigesetzt wird, entweder direkt konsumiert oder als Rohstoffe und Vorleistungsgüter genutzt werden. Denn entweder wird ihre Verteuerung also direkt beim Konsumenten auftreten oder indirekt dadurch, dass CO2-intensive Produkte teurer werden. Diese Reduktionen über den Preis zu erreichen, statt über direkte Regulierung, also anstatt per Ordnungsrecht bestimmte Produktionsweisen, wie etwa Kohlekraftwerke oder den Verbrennungsmotor, zu verbieten, ist effizienter. Das liegt daran, dass bei hinreichend vielen Marktteilnehmern der Regulierer die Anreize der einzelnen Teilnehmer nicht kennt. Beispielsweise kann eine staatliche Behörde, die Produktstandards oder Verbote verordnet, nicht wissen, welche Kosten und Nutzen Firmen oder Haushalten durch verschiedene Möglichkeiten entstehen, Emissionen einzusparen (Weitzman 1974; Keohane und Olmstead 2016). Allerdings werden bei ungewissen Aussichten über zukünftige CO2-Preise keineswegs alle langfristig sinnvollen Investitionen in Infrastrukturen und Zukunftstechnologien getätigt; in diesen Fällen sind weitere, auch ordnungsrechtliche Maßnahmen, gerechtfertigt (siehe auch Erfahrungen weltweit und Gestaltungsoptionen ).

Klimaschutz dort, wo er am kostengünstigsten ist

Mit einem Preis für CO2 wird Klimaschutz also dort umgesetzt, wo er am kostengünstigsten ist, da Unternehmen strategisch und im eigenen Wettbewerbsinteresse entscheiden, an welchen Stellen im Produktionsprozess sie Einsparungen vornehmen wollen. Die Reduktion der Emissionen beginnt zeitnah nach der Einführung von CO2-Preisen. Sie setzen sich kontinuierlich fort, weil Unternehmen verstärkt nach CO2-Einsparungspotentialen suchen und bei Investitionen energieeffiziente Technologien bevorzugen (Keohane und Olmstead 2016). Innovative Möglichkeiten CO2 einzusparen lassen sich ohne CO2-Preis schlechter vermarkten, weil sie sich bei den heutigen Energiepreisen „nicht rechnen”. Analysen zeigen, dass die Nachfrage sich stark an die veränderten Preise der Treibstoffe anpassen (Sterner 2007; Andersson 2019).

Ein CO2-Preis bildet die gesellschaftlichen Kosten des Klimawandels ab

Der Klimawandel ist durch Folgeschäden (z.B. Ernteverluste und Extremwetterlagen) mit erheblichen sozialen Kosten für die Gesellschaft verbunden (IPCC 2014a). Diese „externen Kosten” werden gegenwärtig nicht in den Marktpreisen klimaschädlicher Produkte reflektiert. Ein Preis für den Ausstoß von CO2 ist ein einfaches und das effizienteste Instrument, um externe Kosten in die Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe zu integrieren (Keohane und Olmstead 2016). Externe Kosten, die nicht vom Verursacher beglichen, sondern von der Gesellschaft getragen werden, können durch eine Steuer auf die Produktionskosten und somit auf den Preis des Produkts korrigiert werden (Pigou 1920).

CO2-Preis schafft Planungssicherheit

Wird ein CO2-Preis so eingeführt, dass seine Entwicklung und langfristige Höhe tendenziell festgelegt ist, haben die Unternehmen Planungssicherheit. Das ist für ihre Investitionsentscheidungen, ihre strategische Planung und ihre Produktentwicklung essentiell. Somit schaffen CO2-Preise wirtschaftliche Anreize für Innovationen für CO2-arme Technologien und Dienstleistungen (Acworth et al. 2017; Aldy und Stavins, 2012). Denn je teurer eine Ressource ist, desto mehr Anstrengungen werden unternommen, sie langfristig durch andere Technologien zu ersetzen. Aufgrund weiterer Marktversagen muss ein CO2-Preis jedoch um weitere Maßnahmen ergänzt werden (siehe Weitere Maßnahmen) damit größere wirtschaftliche Transformationen gelingen (Tvinnereim und Mehling 2018).

Bepreisung genießt breite Zustimmung unter Experten

Die CO2-Bepreisung wird von einer breiten Mehrheit der Klimaökonominnen und -ökonomen als effizientes Instrument zur Dekarbonisierung empfohlen (CPLC 2019, Somanathan et al. 2014). und darüber hinaus von mehr als 4000 Unterzeichnende des US Economists‘ Statement on Carbon Dividends (https://www.econstatement.org) sowie mehr als 1500 Unterzeichnende des europäischen EAERE Economists’ Statement on Carbon Pricing (https://www.eaere.org/statement/). Im Rahmen der Nationalen Zielvereinbarungen für das Pariser Abkommen haben 96 Länder angegeben, einen CO2-Preis als Teil ihrer nationalen Maßnahmen einführen zu wollen (World Bank Group 2019). In der Schweiz, Skandinavien und Großbritannien konnten nach Einführung eines CO2-Preises bereits deutliche Senkungen der CO2-Emissionen erzielt werden (siehe Erfahrungen weltweit). Auch für Teile der (deutschen) Industrie deuten Studien auf die Wirksamkeit des CO2-Preises durch den Europäischen Emissionshandels (siehe Gestaltungsoptionen) hin (Petrick und Wagner 2014; Dechezleprêtre et al. 2018). Im Verkehrsbereich kann speziell, aber nicht nur, eine Erhöhung des Dieselpreises eine starke Klimawirksamkeit entfalten (Zimmer und Koch 2017). Ein CO2-Preis mit höherer sektoraler Abdeckung und größeren Ambitionen kann also einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Mythos” (Falschbehauptung)

„Wenn man den Bürgerinnen und Bürgern die Einnahmen aus dem CO2-Preis zurückgibt, hilft die Maßnahme dem Klima nicht.”

Realität

Die Wirkung des CO2-Preises für den Klimaschutz besteht darin, dass er klimaschädliche Produkte im Vergleich zu weniger schädlichen Alternativen verteuert und somit wenig attraktiv macht. Diese Wirkung besteht unabhängig davon, wohin die Einnahmen, die der Staat hierdurch erhält, fließen. Beispielhaft erhalte ein Haushalt einen Pauschalbetrag, durch den er sich genauso viel Benzin leisten kann, wie er ihn ohne CO2-Preis gekauft hätte. Da aber Benzin durch den CO2-Preis relativ zum öffentlichen Nahverkehr teurer geworden ist, wird der Haushalt im Mittel weniger Benzin kaufen als vorher und den Nahverkehr häufiger benutzen. (Richtig ist aber, dass ein CO2-Preis immer auch Verteilungswirkungen hat, siehe Verteilungswirkung.)

Zur Übersicht – Antworten auf zentrale Fragen zur Einführung von CO2-Preisen