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Leseempfehlungen (Gedrucktes)

Hier finden Sie – alphabetisch nach Autoren sortiert – einige lesenswerte Empfehlungen zu den Themen Klimawandel, Biodiversitätsschutz und Nachhaltigkeit.

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e.V. – Nationale Akademie der Wissenschaften, Report „Klimaziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen

Frechverlag: Every Day for Future. 100 Dinge, die du selbst tun kannst, um das Klima zu schützen. (frechverlag, 2019, ISBN 978-3772471728)
Besonders interessant für: Kinder und Erwachsene, die nachhaltiger leben wollen
Eine nützliche Anleitung, insbesondere für junge, aber auch für alle anderen Menschen, worauf täglich geachtet werden kann, um sich möglichst wenig klimaschädlich zu verhalten. Mit kWh-, CO2– und Euro-Angaben der energetischen Konsequenzen täglichen Verhaltens, z.B. in den Bereichen Mobilität, Kleidung, Essen, Einkaufen etc. Knapp, lustig, global bewußt und informativ.
Allerdings geht es in dem Buch wirklich vor allem um die kleinen Alltagsdinge, die Kinder selber machen können. Viele “dickere Brocken” für Erwachsene, wie z.B. Gebäudesanierung und Stromanbieterwahl, werden nicht behandelt.

Frank Incropera: Climate Change: A Wicked Problem
(Cambridge University Press, 2015; 333 Seiten; https://doi.org/10.1017/CBO9781316266274) 
Besonders interessant für: Bewusste Bürger, Studienanfänger
Sprache: Englisch
Dieses Buch bietet eine kompakte Einführung zum Thema Klimawandel, den naturwissenschaftlichen Grundlagen, technische Lösungen und zu wirtschaftlichen und politischen Aspekten. Der Autor erläutert zunächst die physikalischen Grundlagen des Treibhauseffekts – nicht ganz ohne (einfache) Gleichungen, aber mit sorgfältigen Erläuterungen – und stellt die wichtigsten Treibhausgase vor. Dann folgt eine Beschreibung des Klimasystems mit seinen selbstverstärkenden Zurückkopplungen, sowie eine Zusammenfassung der Folgen des Klimawandels. Technische Maßnahmen – gesteigerte Energieeffizienz, verschiedene Formen erneuerbarer Energie und Geoengineering – werden ebenso vorgestellt wie mögliche wirtschaftliche Maßregeln, etwa CO2-Steuer und Emissionshandel, und eine kurze Geschichte der Klimapolitik. Zuletzt kommen ethische Fragen und die Debatte mit den Klimaleugnern an die Reihe.
Das Buch setzt nicht mehr als ein solides Schulwissen voraus, erfordert aber beim Lesen ein wenig Durchhaltevermögen. Ein guter Überblick für jeden, der sich umfassend zu allen Aspekten des Klimawandels informieren will. Verglichen mit John Houghtons Buch (siehe oben) liest sich Incroperas Text etwas trockener und durch die gelegentlichen Gleichungen etwas anspruchsvoller, ist aber dafür klarer im Aufbau. Die technischen und gesellschaftlichen Aspekte werden etwas ausgiebiger behandelt. Beide Bücher bieten aber einen guten Überblick.

John Houghton: Global Warming:  The complete briefing 
(Cambridge University Press, 2015 (5th edition); 373 Seiten; ISBN: 9781107091672)
Besonders interessant für: bewusste Bürger, Studienanfänger
Sprache: Englisch
Eine umfassende Einführung zum Thema Klimawandel. Der Autor erklärt die grundlegenden Prozesse anschaulich, mit vielen Graphiken und aussagekräftigen Zahlen, aber ohne Gleichungen. Dadurch ist das Buch ist mit ein wenig Schulphysikkenntnis (z.B. Wärmestrahlung) gut zu meistern, allerdings gelegentlich etwas weitschweifig. Das Buch behandelt den Treibhauseffekt und den Kohlenstoffkreislauf. Nach einem Einschub zum Klima der Vergangenheit werden Klimamodelle (und Zurückkopplungen im Klimasystem) besprochen, mögliche Zukunftsszenarien vorgestellt und die Folgen des Klimawandels erläutert. Im zweiten Teil bespricht der Autor ethische Aspekte und den Umgang mit wissenschaftlicher Unsicherheit (sollten wir jetzt handeln, auch wenn noch Unsicherheit zum Ausmaß des Klimawandels besteht?), skizziert frühere Bemühungen der Klimapolitik und anschließend technische Möglichkeiten zur Verringerung von Treibhausgasen.
Verglichen mit Frank Incroperas Buch (siehe unten) hat Houghton viel mehr bunte Illustrationen, mehr Fallbeispiele, und insgesamt mehr Information zu verschiedenen Aspekten des Klimasystems, ist aber weniger übersichtlich. Beide Bücher bieten aber einen guten Überblick.

IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) reports
In den Berichten des IPCC fassen Wissenschaftler und Entscheidungsträger den Stand der Erkenntnis zum Thema Klimawandel zusammen. In den Assessment Reports, die ca. alle 8 Jahre entstehen, werden die Naturwissenschaftlichen Grundlagen (Physical Science Basis, Arbeitsgruppe I), die Folgen, Anpassungsmöglichkeiten und Anfälligkeiten (Impacts, Adaptation and Vulnerability, Arbeitsgruppe 2) und Klimaschutz (Mitigation, Arbeitsgruppe 3) behandelt. Der letzte Assessment Report (AR5) ist von 2013-2014. Außerdem gibt es Sonderberichte, beispielsweise zu den unterschiedlichen Folgen einer Erwärmung um 1.5 bzw. 2 Grad.
Die IPCC-Berichte sind nicht gerade leserfreundlich, da sie sehr umfangreich und außerdem trocken geschrieben sind. Andererseits bieten sie ein (fast) vollständiges Nachschlagewerk des Kenntnisstandes zum Klimawandel, eine Synthese des wissenschaftlichen Konsens, einschließlich Unsicherheiten und Wissenslücken. Außerdem sind sie frei zugänglich.
Tipp: Die Zusammenfassung für Entscheidungsträger (Summary for Policy Makers) listet auf wenigen Seiten die wichtigsten Fakten und Schlussfolgerungen auf, und gibt zu jeder Aussage Referenzen zu den jeweiligen Kapiteln des Haupttextes. Die Deutsche IPCC Koordinierungsstelle stellt diese Zusammenfassungen auch in deutscher Übersetzung bereit.

Michael Kopatz : Ökoroutine: Damit wir tun, was wir für richtig halten
(https://www.oekoroutine.de ; oekom-Verlag, 2018; ISBN 978-3962380847)
Besonders interessant für: Politikinteressierte; bewusste Bürger
(Fast) Jeder weiß, dass Fliegen und Massentierhaltung “schlecht” sind, trotzdem fliegt (fast) jeder, der es sich leisten kann, und werden Unmengen billiger Würstchen gegrillt. Ist das die Schuld des Einzelnen? Oder passen wir uns nur an das bestehende System an? Michael Kopatz argumentiert, dass es sinnlos ist, die Verantwortung für nachhaltigen Konsum auf die einzelnen Verbraucher abzuwälzen: Der Gesetzgeber ist gefragt, um sinnvolle Richtlinien und Rahmenbedingungen zu setzen. Selbst Manager, so der Autor, wünschen sich “hinter vorgehaltener Hand” strengere Vorgaben, um der Abwärtsspirale eines aus den Rudern gelaufenen Wettbewerbs zu entkommen. Wie können Politiker – und Wähler – dazu beitragen, dass ökologisches Verhalten Alltagsroutine wird?

Michael E. Mann and Tom Toles: Der Tollhauseffekt: Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt
(Heise Medien, 2018; englische Fassung siehe unten)
Besonders interessant für: Einsteiger zu den Themen Klimawandel und Klimawandel-Leugner
Der Klimawissenschaftler Michael E. Mann und Pulitzerpreisträger und Cartoonautor Tom Toles haben während eines Großteils ihrer Karriere an vorderster Front gegen Klimaleugner gekämpft. Sie haben erlebt, wie Profitsucht und politische Eigeninteressen die Medien manipulierten, und wie gewissenlose Parteilichkeit Entscheidungen beeinflusst, die das Wohlergehen von Milliarden Menschen bedrohen.
Das Buch ist kein Lehrbuch zur Klimaphysik. Es legt knapp, verständlich, mit reichlich bissigem Humor und ironischen Cartoons die grundlegenden Fakten zum Klimawandel dar, um dann die Tricks und (Selbst?)betrügereien der Klimaleugner zu entlarven. Siehe hier für eine ausführliche Kritik: https://skepticalscience.com/madhouse-effect-review.html

Donella H. Meadows, Dennis L. Meadows, Jorgen Randers William W. Behrens III / The Club of Rome: “Die Grenzen des Wachstums”
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1987, ISBN 3-421-02633-5; Rowohlt, 1995, ISBN 3-499-19510-0
Ein Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, publiziert 1972, ist eines der Standardwerke zum Thema Umwelt. Ein internationales Team von Forschern hat die Zusammenhänge z.B. zwischen endlichen Ressourcen sowie Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft anhand mathematischer Modelle analysiert, und daraus wichtige Schlussfolgerungen für die Zukunft gezogen. Die engl. Originalversion „The limits to growth“ gibt es als pdf vom „Club of Rome“ unter https://www.clubofrome.org/report/the-limits-to-growth/. Das Buch wurde mehrmals überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. „Beyond the Limits“ folgte 20 Jahre später, 1992, dt: „Die neuen Grenzen des Wachstums“. „Limits to Growth – The 30-Year Update“ folgte 30 Jahre später, 2004, dt. „Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update“. „2052: A Global Forecast for the Next Forty Years“, dt. „2052. Der neue Bericht an den Club of Rome: Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre“, geschrieben von einem der ursprünglichen Autoren, Jørgen Randers, folgte 2012.  Siehe auch hier für eine kurze Geschichte der Publikationen zu den Grenzen des Wachstums.

Klaus Moegling: “Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist noch möglich.” (Verlag Barbara Budrich, 2019, 277 S., ISBN 978-3-8474-2344-7)  
Besonders interessant für: Politikwissenschaftler; breitere Öffentlichkeit
Krieg, soziale Ungleichheit, Klimaerwärmung. Die Welt steht täglich vor neuen Herausforderungen, die, so Klaus Moegling, nur durch eine radikale Neuordnung bewältigt werden können. Ausgehend von einer kritischen Analyse des gesellschaftlichen Ist-Zustands werden mögliche Negativszenarien für die zukünftige Entwicklung im globalen Kontext entworfen. Der Autor entwickelt anschließend eine positive Vision für eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt, indem er sich auf den Menschen selbst, das soziale Miteinander, die Umgestaltung der Ökonomie, das veränderte Verhältnis zur Natur und auf die Neuordnung der nationalen und internationalen Politik bezieht.
Seine Botschaft lautet: Eine friedliche und am Prinzip der Nachhaltigkeit orientierte Welt ist (noch) möglich. Und: Die Neuordnung muss bereits jetzt mit den ersten notwendigen Schritten beginnen.

Robert Wilby: Climate Change in Practice 
(Cambridge University Press, 2017; 333 Seiten; www.cambridge.org/wilby
Besonders interessant für: Lehrer und Dozenten
Sprache: Englisch
Das Buch bietet Stoff für Unterrichtsprojekte zu allerlei Aspekten des Klimawandels. In achtzehn Kapiteln wird jeweils ein Thema anhand eines etwa zehnseitigen Essays vorgestellt, gefolgt von einer Gruppenaufgabe und weiterführendem Material. Einige der behandelten Fragen sind:

  • Was ist die global gemittelte Temperatur und wie hat sie sich verändert? 
  • Wer oder was ist durch den Klimawandel gefährdet? 
  • Wie können wir die Wirtschaft decarbonisieren? 
  • Kann und sollte die Menschheit Geoengineering (absichtliche großflächige Eingriffe in das Klimasystem) vornehmen?
  • Was ist der Zusammenhang zwischen Klimawandel und anderen weltweiten Herausforderungen? 

Die Aufgaben reichen von Diskussionen zur Erstellung einer Risikoanalyse bis hin zu einem Spiel zum Thema Katastrophenschutz. 
Obwohl sich das Buch vor allem an Hochschuldozenten richtet, können einige der Kapitel bei guter Vorbereitung auch in der Schule verwendet werden, zB. im Rahmen eines Projekttages. Die vielen angegebenen Quellen bieten reichlich Material zur Vorbereitung und Vertiefung. Auf der angegebenen Website findet sich Unterrichtsmaterial (Übungsblätter etc) und zwei Probekapitel.

Wenyi Zhong, Joanna D. Haigh: ‘The greenhouse effect and carbon dioxide’, (Weather, Vol 68, No. 4, 2013, https://rmets.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/wea.2072)
Eine sehr gute Übersicht der physikalischen Grundlagen des Treibhauseffekts durch Kohlendioxid. U.a. wird auch sehr anschaulich erklärt warum die Sättigung der CO2-Absorptionsbande in ihrem Zentrum eben gerade keine entscheidende Rolle spielt.

Thema: wissenschaftliche Kommunikation für Klima- und Umweltwissenschaftler

Per Espen Stoknes: What we think about (when we try not to think about) global warming
(Chelsea Green, 2015; 290 Seiten; ISBN:978-1603585835)
Besonders interessant für: Alle, die für Klimaschutz werben wollen
Sprache: Englisch
Dieses Buch erläutert nicht, wie Klimawandel funktioniert.
Stattdessen legt der Psychologe und Wirtschaftswissenschaftler Per Espen Stoknes dar, warum Klimaschutz so eine schwierige Aufgabe ist: Wir Menschen befassen uns vor allem mit dem Nächstliegenden und nehmen Bedrohungen dann wahr, wenn sie exotisch sind, plötzlich auftreten und uns unmittelbar angehen. Außerdem schämen wir uns nicht gerne und stecken vor unserer “Schuld” gern den Kopf in den Sand, und lieben es überhaupt nicht, auf einmal errungenen Wohlstand wieder zu verzichten. Eine vage globale Klimaapokalypse, die sich erst in vielen Jahrzehnten voll entfaltet, wird gerne auf die lange Bank geschoben – erst recht, wenn wir uns schuldig fühlen und zu deren Bekämpfung Verzicht üben müssten.
Wie können wir also uns selbst und unsere Mitmenschen und Politiker für Klimaschutz begeistern? Mit dem so-und-so-vielten tausendseitigen IPCC-Sachstandsbericht? Oder können wir unsere Klimabotschaft kreativ umformulieren – vom selbstverschuldeten Weltuntergang zu einem Traum von einer gerechteren, grüneren Welt, vom mahnend erhobenen Zeigefinger zur Anregung von nachhaltiger Innovation, von Verzicht auf Erdöl zu den Jobchancen erneuerbarer Energien und cleveren Tipps und Tricks zum Stromsparen? Es reicht nicht, mit Fakten auf unseren inneren Schweinehund einzuprügeln – stattdessen müssen wir ihn listig für unsere Zwecke einspannen.
Vielleicht sind einige von Stoknes’ Ideen etwas weltfremd, aber das Buch bietet auf jeden Fall wertvolle Anregungen für eine konstruktivere Klimadebatte.

Esther Turnhout, Willemijn Tuinstra, Willem Halffman: Environmental Expertise 
(Cambridge University Press, 2019; 266 Seiten; https://doi.org/10.1017/9781316162514)
Besonders interessant für: Wissenschaftler, die mit Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit arbeiten wollen
Sprache: Englisch
Sie sind Umweltexperte, haben für ein wichtiges Projekt Fakten, Fehlerbalken und Risiken ausgewertet – und jetzt nehmen die Politiker Ihre Empfehlung nicht ernst, oder wütende Bürger protestieren in empörten Blogartikeln und Demonstrationen gegen die vorgeschlagene Maßnahme. Weil diese ungebildeten Laien Ihre sauberen Analysen nicht begreifen? Oder weil Sie Ihrerseits die Laien nicht verstehen?
Wenn Sie für die Gesellschaft etwas erreichen wollen, reicht es nicht, Fakten zu analysieren und anschließend zu rufen: “Glaubt mir, denn ich bin Wissenschaftler!” Gesellschaftliche Prozesse sind vielschichtiger als Schadstoffkonzentrationen oder Temperaturmessungen; sie sind verwoben mit Wertvorstellungen und (oft berechtigen) persönlichen und kollektiven Interessen oder Ängsten…
Das Buch versucht anhand von theoretischen Überlegungen und vielen praktischen Fallbeispielen, Wissenschaftler, Entscheidungsträger und Öffentlichkeit einander näherzubringen. Eine erhellende Lektüre für alle Forscher, die sich aus ihrem Elfenbeinturm hervorwagen wollen.

Thema: Wirtschaft und Gesellschaft

Mike Berners-Lee: There is no planet B
(Cambridge University Press, 2019; 288 Seiten; https://doi.org/10.1017/9781108545969
Besonders interessant für: Bewusste Bürger
Sprache: Englisch
Eine knappe, klare, und unterhaltsam geschriebene Analyse der dringendsten Herausforderungen im Anthropozän (im vom Menschen dominierten Erdzeitalter): Klimawandel, Bedrohung der Artenvielfalt, drohende Nahrungsmittelknappheit. Das Buch hält sich wenig mit komplexen naturwissenschaftlichen Diskursen auf, sondern ist vielmehr ein konkretes Handbuch für jeden, der sich fragt, was wir (als bewusste Bürger, als Experten, als Weltbevölkerung…) tun müssen, um auch in Zukunft gut auf unserem Planeten leben zu können.
Dass Fliegen und übermäßiger Fleischkonsum umweltschädlich sind, haben wir alle schon mal gehört, aber der Mike Berners-Lee untermauert diese und andere Tatsachen mit gut recherchierten und faszinierenden Zahlen. Außerdem erklärt er in leicht verständlicher Weise, welche “grünen” Technologien in einer nachhaltigen Welt welche Rolle spielen können – und warum technischer Fortschritt allein nicht genug ist.
Die hoffnungsvolle Nachricht: Ein gutes Leben für Alle im Anthropozän ist möglich. Aber nur, wenn die Menschheit endlich erwachsen wird und Teilen und Verantwortungsgefühl lernt.

Lars. P. Feld, C. M. Schmidt, I. Schnabel, A. Truger, V. Wieland: Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik, Juli 2019
Sondergutachten des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, erstellt auf Wunsch des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Auftrag der Bundesregierung

Kate Raworth: Doughnut Economics. Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist 
(Random House Business Books, 2017; siehe auch https://www.kateraworth.com
Besonders interessant für: Wirtschaftswissenschaftler und -studenten, bewusste Bürger
Unser Wirtschaftsystem ist die Wurzel unserer Umweltprobleme; aber die Wirtschaftswissenschaft – das, was unsere zukünftigen Politiker und Studenten an der Uni lehren – ist noch verhaftet in den Vereinfachungen und Irrtümern, die das Problem verursacht haben. Einerseits bedrohen wirtschaftliche Aktivitäten unseren Planete, andererseits leben immer noch Millionen Menschen am Existenzminimum. Wie können wir für alle ein Auskommen schaffen, ohne die Umwelt zu zerstören?
Wachstum – das Hauptziel der Wirtschaftspolitik seit Jahrzehnten – ist kein Allheilmittel. Der Mythos, dass Wachstum von selbst zu mehr Gleichheit und mehr Umweltschutz führt, ist entkräftet. Statt des ewigen Strebens nach Wachstum müssen wir das Wirtschaftssystem komplett neu gestalten, sodass es Wohlstand verteilt und die Natur nicht zerstört, sondern regeneriert.
Auch wenn Kate Raworth nicht mit einem vollständigen Aktionsplan kommt, beinhaltet das Buch viele radikale und bemerkenswerte Ansätze, die zum Nachdenken anregen. Das Buch ist sehr leserfreundlich geschrieben und auch für interessierte Laien gut verständlich.

Ökologische Klassiker

Rachel Carson: Silent Spring. 
(1962. Penguin, 2000. Dt. Der Stumme Frühling, Beck, 2012.)
Dieser Klassiker, in dem die amerikanische Biologin Rachel Carson den Einsatz von Pestiziden in der Agrarindustrie der Nachkriegszeit einer Fundamentalkritik unterzieht, wird oft als der Beginn der modernen Umweltbewegung betrachtet. Das Buch führte u.a. zum Verbot von DDT in der Landwirtschaft. Carsons (dystopische) Beschreibung eines „stummen Frühlings“ wird im Zusammenhang mit Klimawandel und Artensterben heute wieder vielfach zitiert. Während der Lektüre wird deutlich, daß sich zwar die Chemikalien geändert haben, nicht aber die Schwerfälligkeit, mit der die Politik auf reformorientierte wissenschaftliche Erkenntnisse und Vorschläge reagiert. Carson, die von ihren Gegnern als „bunny hugger“ (als Kaninchenumarmerin) diskreditiert wurde, ist ein frühes Beispiel für konstruktiv-kritische wissenschaftliche Intervention. Sie macht konkrete Vorschläge zur biologischen Bekämpfung von ungewünschten Agrarschädlingen, die ohne Einsatz von Chemie auskommt. Eine eindringliche und allgemein verständliche Lektüre.